[ Paul-Dessau-Schule Zeuthen - Schulprojekt Luigi Nono Schulwappen   M-1   


Margarita Dittrich: Unterrichtliche Umsetzung des Projektes in dem Fach Musik

Allgemeines zu dem Schulprojekt "Luigi Nono - Il canto sospeso"

1.1. Der Titel

Der Titel lenkt die Aufmerksamkeit auf ein wichtiges Werk der klassischen Moderne. Im Jahr 1954 war im Verlag Guilio Einaudi, Turin, ein Band mit Abschiedsbriefen zum Tode verurteilter Wiederstandskämpfer erschienen. In dieser Sammlung von Dokumenten sah Nono ein Material, das es verdient zu einem Kunstwerk erhoben zu werden. Er gab seiner Komposition den Titel „Il canto sospeso“ der sich als „unterbrochener Gesang“ aber auch als „schwebender Gesang“ übersetzen läßt. Nono beendete das Werk im Jahr 1956. Die Beschäftigung mit den Texten der Briefe verstand er als einen Beitrag zur gegenwärtigen Auseinandersetzung mit der jüngsten faschistischen Vergangenheit. „Der Entwurf einer neuen, grundsätzlich anderen Gegenwart“ - schreibt Jürg Stenzel - „war ohne die Erinnerung an das mit dem Namen Mussolini und Hitler verbundene Grauen für Nono nicht denkbar.“

1.2. Die Idee

Die Idee für das Schulprojekt hatte der Dirigent Claudio Abbado. Im Dezember 1992 leitete er die Aufführung von „Il canto sospeso“ in dem großen Saal der Berliner Philharmonie. An dieser Aufführung nahmen das Berliner Philharmonische Orchester, der Rundfunkchor, Berlin, die Solisten Barbara Bonney (Sopran), Susanne Otto (Alt) und Marek Torzewski (Tenor), sowie Susanne Lothar und Bruno Ganz als Sprecher teil. Abbado hat sich anläßlich dieser Aufführung dafür entschieden die Abschiedsbriefe von Wiederstandskämpfern, die Nono ausschnittsweise in seiner Komposition verwendet, in ihrem ganzen Wortlaut von den Sprechern lesen zu lassen - vor Beginn der Komposition und nach dem 4. Teil. Durch die Unterbrechung nach dem 4. Teil wurde die musikalische Gestalt der Komposition in zwei Abschnitte gegliedert und somit verändert. Es ist zu vermuten, daß Abbado auf dieser Weise die Botschaft der Briefe verständlicher machen wollte und vor allem eindringlicher durch die Wirkung des Rezitierens.

1.3. Verfügbare Materialen

Zu diesem Schulprojekt gehören ein Video-Film und zwei Begleithefte mit Informationen zu dem Film und zu der Komposition von Nono.

1.4. Das Thema

Das Bildmaterial des Filmes und das musikalische Werk von Nono lassen die Formulierung eines übergreifenden Themas zu:

„FASCHISMUS - GEWALT- WIDERSTAND“.
Das meiste Bildmaterial des Video-Films bezieht sich auf die Zeit des II. Weltkrieges. Nur die Bilder von Francisco Goya und Otto Dix sprengen diese Zeitgrenzen und führen bei Goya in das frühe 19.Jahrhundert und bei Dix in die Zeit des I. Weltkrieges.

1.5. Zur Gestaltung des Video-Films

Der Anfang des Films bilden Ausschnitte aus einer Rede von Umberto Eco. Ein kurzer, poetischer Teil mit einem Fragment aus dem Gedicht „Hyperions Schicksalslied“ von Hölderlin ist die Überleitung zu dem Hauptteil. Neben der Konzertaufzeichnungen von Dezember 1992 sind noch Dokumentaraufnahmen und neugedrehtes Filmmaterial aus Ausschwitz und Birkenau, sowie Werke von Goya, Dix, Giacometti und Picasso zu sehen. Nach einem Montage-Verfahren, das die Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Materialien deutlich erkennen läßt, folgen Dokumentar-Aufnahmen und Kunstwerke. Die unterschiedlichen Gestalten folgen in einem dichten Nacheinander oder werden überlagert, so daß man manchmal an das musikalische Prinzip der Engführung erinnert wird. Die Konzertaufzeichnungen sind nicht in ihrer ganzen Länge in dem Film einbezogen. Es sind einzelne Ausschnitte, die in dem Fluß von wechselnden Bildern immer wieder auftauchen. Die Autoren des Video-Films sprechen von einer Visualisierung der Komposition von Nono. Der Film ist eigentlich ein eigenständiges Werk, das die Komposition „Il canto sospeso“ als Ausgangspunkt und als Material verwendet.

→ 2. Umsetzung...

Hypertext: ©L Michael Klockmann 2000